Was ist schon perfekt?

Onehundredandeighty

654 mal gelang es den Spielern der Dart-Weltmeisterschaft im letzten Jahr 180er zu werfen. Drei mal dreifach 20 Punkte. Mehr geht nicht. Gary Anderson – The Flying Dutchman genannt – gelang der einzige 9-Darter des Wettbewerbs. Ein optimaler Durchgang. Ein Ergebnis vergleichbar mit einem Hole-in-one beim Golf oder 300 Punkten beim Bowling. Perfekt. Ganz anders als es im Leben kommt.

Man will perfekt sein. Seit einiger Zeit ändert sich unser Erwartungshorizont in sehr vielen Lebensbereichen. Es muss ein perfekter Job, ein perfektes Haus, ein perfektes Auto, eine perfekte Frau, eine perfekte Ehe. Es müssen perfekte Kinder sein…

Nicht erst bei dem letzten Punkt wird man irgendwann eines besseren belehrt. Praktisch bei allen Dingen, bei denen es Berührungspunkte mit Menschen gibt, oder die sich um etwas, von Menschen kreierten, drehen, gibt es kein perfekt. Zumindest nicht das perfekt in unseren Erwartungen. Nur das perfekt in unserem Blick zurück in die Vergangenheit.

20 Jahre alt, abgeschlossenes Wirtschaftsstudium, Kenntnisse in Office-Produkten, Teamgeist, Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, und mindestens fünf Jahre Berufserfahrung. Eine passende Übertreibung unserer häufig viel zu hoch gesteckten Erwartungen an andere und uns selbst. (Auch wenn man in Vorstellungsgesprächen immer ungefähr 90% davon angibt, zu sein.)

Immer wieder kommen wir an den Punkt, an dem wir feststellen müssen, dass wir nicht perfekt sind. Wieder versagt haben. Nicht durchhalten konnten und einfach nicht überdurchschnittlich sind. Mit dem Einzug des Digitalem in unser Leben geht Optimierung leichter als nie. Ein Klick und der Laptop läuft wieder optimal mit perfekt defragmentierter Festplatte. Den einen Knopf gibt es leider bei uns nicht. Zumindest hab ich ihn noch nicht gefunden.

Gelassenheit und Scheuklappen sind der Schlüssel

Was lässt sich also tun, um sein-nicht-perfekt-sein zu akzeptieren und wieder glücklich zu werden? Generell stehen einem dort zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Die erste wäre, dass man sich nun endlich mal zusammenreißt, 110% gibt und zu einem Übermenschen mutiert. Die andere wesentlich bequemere und von mir favorisierte Variante ist, dass man gelassen bleibt. Einfach mal die Augen zu machen, falls etwas nicht auf Anhieb klappt oder daneben geht. Glaubt mir, dafür braucht man weder Drogen und Spritzbesteck, sondern nur gute Musik und vielleicht ein bisschen Spritzgebäck![1]

Perfekter Frauenkörper
90-60-90. Diese Maße gelten oft als perfekt für den weiblichen Körper. Trotzdem finden fast alle im Laufe ihres Lebens den Einen, in ihren Augen, perfekten Menschen – unabhängig aller Gesellschaftsstandards und Meinungen. Foto von Jan Vasek

Um letztendlich nicht jede Woche vier Packungen Kekse verzehren muss (kann man natürlich immer noch, wenn man will), sollte man über seine Definition von perfekt nachdenken. Orientiert euch nicht an anderen und allgemeinen Vorstellungen, sondern fragt euch bewusst: Wie kann ich für mich und meine nächsten & liebsten perfekt sein?

Klar macht es die ganze Sache nicht unbedingt viel einfacher, aber durch die Fokussierung verschiebt man das perfekt-sein zumindest in den Rahmen des machbaren. Bringt man für vieles im Leben Verständnis, Toleranz und Gelassenheit auf, lebt es sich wesentlich einfacher. Nicht alles was wichtig erscheint, ist auch wirklich wichtig. Vielleicht erreicht man am Ende auch den Art Status eines Puzzle-teils. Man passt nicht zu allem und überall – aber für seinen einen Partner passt man perfekt.

[1] Zitat aus dem Song: So schlimm? – Royal Bunker Vol. 2

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